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Tucuxi (Sotalia guianensis und Sotalia fluviatilis)
Lebensweise
 
 
   
   

Sotalia guianensis und Sotalia fluviatilis: zwei unterschiedliche Arten

Der Unterschied zwischen Salz- und Brackwasser auf der einen und Süßwasser auf der anderen Seite, sowie der große periodische Wasserstandswechsel im Regenwald sind starke Selektionsdrücke, die dazu führen das zum Beispiel beide Arten unterschiedliche Fische fressen.

Während die Meeres-Sotalias Frequenzen von 55–65 kHz für die Echolotung benutzen, arbeitet der Fluss-Sotalia mit Frequenzen von 40–45 kHz, ähnlich dem Amazonas-Flussdelphin (Inia geoffrensis) dessen Echolot bei 36–46 kHz liegt.

Die stark wechselnden Lebensbedingungen zwischen Regen- und Trockenzeit im Regenwald haben dazu geführt, dass die Fluss-Sotalias meist während der Trockenzeit Kälber bekommen, während die Meeres-Sotalias das ganze Jahr über Kälber bekommen. Die Schwangerschaft dauert länger bei Meeres Sotalias (11,6–11,7 Monate) als bei Fluss-Sotalias (10–10,3 Monate). Bei den Fluss-Sotalias reifen die Eier nur im linken Eierstock heran, während bei den Meeres-Sotalias beide Eierstöcke funktionieren.

Aufgrund geologischer Daten nimmt man an, dass der Meersspiegel vor 2,5 Millionen Jahren 180 Meter über dem heutigen Meeresspiegel lag. Aufgrund des seit dem sinkenden Wasserspiegels wurde das Amazonasbecken wahrscheinlich mehrfach trockengelegt und überschwemmt. Aufgrund dessen nimmt man an, dass das Amazonasbecken ein gigantischer See oder ein Binnenmeer war. Aufgrund tektonischer Aktivität verwandelte sich dieser See schließlich in das heutige Flusssystem, wodurch zwei räumlich voneinander getrennte Sotalia-Populationen entstanden, die lediglich an der Flussmündung des Amazonas miteinander in Verbindung stehen.  

Der Amazonas-Flussdelphin lebt seit rund 15 Millionen Jahren im Amazonasbecken. Vor rund 5-6 Millionen Jahren wurde die Art durch die Entstehung der Madeira-Mamoré Wasserfälle in Bolivien in zwei voneinander getrennte Bestände gespalten. Da der Sotalia nicht in Bolivien vorkommt, kann man davon ausgehen dass er erst nach diesem Ereignis, also seit höchstens fünf Millionen Jahren in den Amazonas einwanderte.

Auf eine ähnliche Zeitgrenze kann durch die Aufspaltung der Fluss-Sotalias in die beiden Unterarten Inia geoffrensis geoffrensis im Amazonas- und Inia geoffrensis humboldtiana im Orinoko-Flusssystem durch die Isolierung beider Flusssysteme voneinander, die mit dem Aufstieg der östlichen Andenkordilliere vor 12 Millionen Jahren und der Merida Kordilliere vor 3,4-5 Millionen Jahren herbeigeführt wurde.


Lebensraum:

Meeres-Sotalias bevorzugen flache Küstengewässer und Flussmündungen. Innerhalb der Bucht von Guanabara (Rio de Janeiro), findet man die Sotalias in den tieferen Kanälen (25 Meter Wassertiefe) und sie vermeiden Gewässer, die flacher als sechs Meter sind. In großen Flussläufen dringt der Meeres-Sotalia bis 130 Kilometer weit ein. In den Küstengewässern Nikaraguas wurden Sotalias meist innerhalb der ersten 100 Meter vom Strand aus beobachtet. Selten findet man sie in Meeresgebieten mit mehr als fünf Metern Wassertiefe. Für den Meeres-Sotalia scheint die  Wassertemperatur den ausschlaggebenden Verbreitungsfaktor darzustellen.

Der Fluss-Sotalia lebt sowohl in Weißwasser- als auch in Schwarzwasserflüssen. PH-Werte und unterschiedliche Sichtweiten scheinen für ihn keine Verbreitungsgrenzen darzustellen. Man findet die Delphine meist in den Hauptflüssen und größeren Seen, wo das Wasser tiefer ist und der Zugang nicht durch enge und flache Kanäle limitiert ist. Nur selten sieht man sie in überschwemmten Gebieten. Wasserfälle und schnell fließende Gewässer werden ebenfalls gemieden. Sie zeigen eine Vorliebe für Gebiete in denen Flüsse zusammenlaufen.


Gruppenbildung:
Beide Sotalia-Arten haben eine ähnliche Sozialstruktur. Die Meeresart kommt in Gruppen von bis zu 30 Tieren vor. Kälber werden normalerweise in Gruppen mit drei bis vier Tieren gesehen (jeweils ein Kalb mit mehreren Erwachsenen.

Der Fluss-Sotalia wird entweder allein oder in Gruppen von bis zu sechs Tieren angetroffen (in 55% aller Beobachtungen). Gruppen von bis zu neun Tieren wurden in dieser Studie nur selten gesehen. Nach vorläufigen Beobachtungen von Mundo Azul Mitgliedern nahe Iquitos können die Tiere in Gruppen von 3 bis 12 Tieren angetroffen werden. Andere Studien geben durchschnittliche Gruppengrößen von 3.9 Tieren für den oberen Amazonaslauf an.



Ernährung:
Meeres-Sotalias fressen Tintenfische, sowie Anchovies und andere Fischarten.

Im Amazonas sind 28 Fischarten bekannt, die von den Sotalias gefressen werden. Das Nahrungsangebot für die Delphine nimmt in der Trockenzeit zu, wenn die Fische in den Flussläufen konzentriert sind und in der Regenzeit ab, wenn die Fische sich in den überschwemmten Gebieten verteilen, in die sich die Delphine nicht vorwagen.

Lies mehr über den Schutzstatus der Sotalias.

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